St.-Wenzels-Denkmal

Teilen

Josef Václav Myslbek gab Prag einen Ort, an dem Geschichte geschrieben wird.

Das überlebensgroße Reiterstandbild des böhmischen Fürsten und tschechischen Landespatrons, des Hl. Václav / Wenzel, wurde unmittelbar nach seiner Entstehung zum symbolischen Mittelpunkt der Metropole. Hier ist der Brennpunkt für geschichtliche Ereignisse; hier kommen gewöhnliche Einwohner und Besucher der Stadt zusammen. Wenn Sie hier auf dem Wenzelsplatz einen Treff ausmachen, sollten Sie wissen, dass das Standbild vom Gründer der modernen tschechischen Bildhauerei geschaffen wurde: Josef Václav Myslbek.

Myslbek war an diesem seinen Magnum Opus mehr als dreißig Jahre schöpferisch tätig und arbeitete es mehrfach um. Helm, Schwert und Kettenhemd der Skulptur modellierte Myslbek nach der authentischen Bewaffnung und Rüstung des Fürsten, die bis heute im Domschatz des Veitsdoms erhalten sind. Der Hl. Wenzel zu Pferde wird von vier Standbildern der tschechischen Landesheiligen umrahmt: Ludmila, Agnes, Adalbert und Prokop. Den Letztgenannten konzipierte Myslbek als Selbstporträt. Alle Statuen sind aus Bronze gegossen, der steinerne Sockel ist aus dunkelbraunem Granit. In der Höhe misst das ganze Standbild bis zur Spitze der Lanze 7,2 Meter. Der Hl. Wenzel auf seinem Pferd wiegt allein fast 6 Tonnen.

Den böhmischen Fürsten Václav / Wenzel kennen Menschen aus aller Welt, aber nur wenige ahnen, dass er die Hauptfigur des berühmten englischen Weihnachtslieds Good King Wenceslas ist. Aber auch sein Reiterstandbild ist in die Weltkultur eingegangen. Bereits im humoristischen Roman „Three Men on the Bummel“ des englischen Schriftstellers Jerome Klapka Jerome aus dem Jahr 1900 (also drei Jahre vor der festlichen Enthüllung des Denkmals) hilft der Hl. Wenzel dem mitreisenden Freund George auf den rechten Weg, als dieser in Prag zu tief ins Glas mit Pilsner Bier geschaut hatte.

Statue of St. Wenceslas, Wenceslas Square | Photo: Prague City Tourism

Das St.-Wenzels-Denkmal wurde nicht nur zur optischen Dominante des lebhaftesten Stadtplatzes in Prag, sondern auch zum natürlichen Zentrum der Geschehnisse. Hier war es, dass Isidor Zahradník am 28. Oktober 1918 vor versammelter Menge den unabhängigen tschechoslowakischen Staat ausrief. Hier finden die letzten hundert Jahre Massendemonstrationen für oder gegen die jeweilige Staatsherrschaft statt. Nicht weit von hier verbrannte sich Student Jan Palach aus Protest gegen die sowjetische Okkupation des Landes im Januar 1969. Im November 1989 war das St.-Wenzels-Denkmal der Kristallisationskern der Demonstrationen während der Samtenen Revolution, die zum Fall des Eisernen Vorhangs führten.

Das Wenzelsdenkmal ist freilich auch unter einfachen Liebespaaren, Freunden und Besuchern Prags als häufigster Treffpunkt beliebt, je nach Laune am Kopfende oder unter dem Schweif von Wenzels Pferd.

Josef Václav Myslbek starb in seiner Geburtsstadt Prag eine Woche vor seinem 74. Geburtstag und liegt auf dem Slavín, dem Ehrenfriedhof auf dem Vyšehrad, in einem Sammelgrab herausragender Persönlichkeiten der tschechischen Kultur bestattet – und damit nur wenige Schritte von einem Quartett monumentaler Statuengruppen von Myslbeks Hand, auf Motive tschechischer Legenden, die nach dem verheerenden amerikanischen Luftangriff auf Prag im Februar 1945 von der Palacký-Brücke über die Moldau hierher verbracht wurden. Wenn Sie hier spazieren gehen, werden Sie sich des Eindrucks nicht erwehren können, dass diese Skulpturen die Ruhestätte ihres Schöpfers treu bewachen.

erhalten Sie von uns regelmäßig Neuigkeiten und Tipps über das Geschehen in Prag

Die eingegebene E-Mail hat ein falsches Format.

*mit dem Absenden stimmen Sie den Datenschutzbestimmungen zu

Smazat logy Zavřít