Jaroslava Brychtová und Stanislav Libenský

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Künstler, die Prag aus Lichtstrahlen erbauten.

Was für Frankreich der Käse oder für die Niederlande der Diamant, das ist für Böhmen das Glas. Und so war es denn ein Duo tschechischer Künstler, Stanislav Libenský und Jaroslava Brychtová, welches im 20. Jh. die Glasmacherei vom Handwerk zur weltbedeutenden Kunst erhoben. Ihre eindrücklichsten Werke können Sie in Prag bestaunen.

Bereits Kapitän Nemo ließ in seinem U-Boot Nautilus den Wein in Gläsern aus echt böhmischem Kristallglas servieren. So erzählt es uns wenigstens der französische Schriftsteller Jules Verne in seinem Roman „Vingt Mille Lieues sous les mers“ aus den Jahren 1869-1870. Es sollte aber noch viele Jahre dauern, bevor die Gebrauchsware Glas zum Kunstwerk wurde. Einen wesentlichen Anteil an diesem Wandel hat ein Künstlerduo, welches Prag mit seinen Werken in eine Stadt des Lichts transformierte.

Das spätere Ehepaar Jaroslava Brychtová und Stanislav Libenský begegnete einander erstmals 1954, unter einem außergewöhnlich glücklichen Stern – für die beiden selbst, für die Kunstwelt und für Prag. In fruchtbarer Zusammenarbeit entwickelte das Paar ein ganzes Leben lang die künstlerischen Möglichkeiten der Schmelzglastechnik. Sie wurden in ihrem Fach zu Wegbereitern von weltweiter Bedeutung. Ihre Namen stehen bis heute überall in der Welt für den Erfolg der modernen tschechischen Glaskunst. Sie entdeckten bis dahin ungeahnte innovative Möglichkeiten für Glasobjekte, insbesondere unter Einbeziehung des Lichts sowie von Farbwechseln und der organischen Einbindung in die Architektur.

Stanislav Libenský und Jaroslava Brychtová | Foto: Museum für Angewandte Kunst

Ihre Werke errangen eine stattliche Reihe von Auszeichnungen, so z.B. den Grand Prix auf der Expo 58-Weltausstellung in Brüssel. Sie sind in erstrangigen Museen, Galerien und Privatsammlungen in aller Welt vertreten. 

Prag, das ist nicht nur eine aus Stein, Ziegeln und Beton gebaute Stadt. Im zwanzigsten Jahrhundert gewann die Stadt noch eine weitere Dimension dazu – die des Glases. Kaum jemand hat sich darum so verdient gemacht wie das Künstlerehepaar Jaroslava Brychtová und Stanislav Libenský.

Sie vermochten etwas, was bis dahin keiner für möglich gehalten hatte: aus Glas, diesem zerbrechlichen Material, machten sie die Grundlage für Monumentalkunstwerke. Ihre Plastiken sind nicht bloße Gegenstände, sondern gefangenes Licht – durchscheinende Artefakte, die ihre Gestalt je nach Tageszeit und Blickwinkel des Besuchers ändern. Wo andere mit Stein oder Bronze arbeiteten, bauten diese beiden aus Lichtstrahlen.

Ihr Werk erhellt denn auch den geheiligsten Raum der böhmisch-tschechischen Geschichte – die über dem Grab des Hl. Wenzel errichtete gotische Kapelle im Veitsdom auf der Prager Burg, wo sich zwei paarig angelegte, sieben Meter hohe Fenster mit abstrakten Glasbildern aus den Jahren 1964–1968 finden. Hierfür griffen die beiden Künstler zu einer einzigartigen Technik, dem Setzrelief, bei dem Glasstückchen in offenen Formen durch Anschmelzen miteinander verbunden werden. 

Stanislav Libenský, Entwurf für die Fenster der St.-Wenzel-Kapelle in der St.-Veits-Kathedrale, 1964 | Foto: Jindřich Nosek

Unter Einsatz derselben Technik schufen Jaroslava Brychtová und Stanislav Libenský in den Jahren 1974 bis 1975 außerdem ein zweiteiliges Fenster für die St. Anna-Kapelle in der unweit gelegenen Georgsbasilika.

Die Eingangshalle des historischen Altstädter Rathausgebäudes ziert ihr monumentales Glasobjekt im Format 8,2 x 7,3 Meter, welches den schlichten Namen “Okno” (Fenster) trägt. Die Plastik entstand ab der ersten Hälfte der 1980er, wurde erst 1990 fertiggestellt, und besteht aus geschliffenen und geschmolzenen Glaselementen, die zu einem Ganzen zusammengesetzt wurden. Besichtigen können Sie sie aus dem Innenraum ebenso wie von außerhalb des Gebäudes, während die Sonne über das Firmament wandert und die Plastik immer wieder in neuem Licht erscheinen lässt. 

Das wohl sichtbarste Prager Werk des Künstlerduos ist die ikonische Ummantelung der Neuen Szene des Nationaltheaters, eines Gebäudes im Stil des Brutalismus, bestehend aus geblasenen Glasformsteinen, von denen jeder 80 × 60 × 40 cm groß ist und ca. 40 Kilogramm wiegt – insgesamt sind es 4306 an der Zahl. Gefertigt sind sie aus speziellem Borosilikatglas mit Beständigkeit gegen Chemikalien und hohe Temperaturen.

Jaroslava Brychtová und Stanislav Libenský ist es zu verdanken, dass Prag zu einem Zentrum für moderne Glaskunst von Weltrang wurde. Und zu einer Stadt, die strahlt, weil sie aus Glas gebaut ist. 

Die Neue Bühne des Nationaltheaters | Foto: Prague City Tourism

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