Der tschechische Edison, der Prag erstrahlen ließ

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František Křižík – ein weltberühmter tschechischer Erfinder und Elektrotechniker.

Ein weltberühmter tschechischer Erfinder und Elektrotechniker, der das Erscheinungsbild Prags zu Ende des 19. Jhs. grundlegend veränderte. Er gab Prag einen neuen Impuls und neue Energie, führte hier die erste elektrische öffentliche Beleuchtung und den ersten elektrischen Stadtverkehr ein. Dank seiner Erfindungen und seines Unternehmergeists konnte sich die tschechische Hauptstadt unter die modernen europäischen Metropolen einreihen.

Das alte Prag, beleuchtet von Gaslampen im Nebeldunst, in dem hier und da eine von Pferden gezogene Kutsche oder Droschke lärmend übers Kopfsteinpflaster rollt, macht auf den Gemälden Jakub Schikaneders und anderer romantischer Maler eine gute Figur. In der zweiten Hälfte des 19. Jhs. reichte das aber nicht mehr. Prag als böhmische Hauptstadt wollte es den modernen europäischen Großstädten gleichtun und bedurfte deshalb eines neuen Funkens und neuer Energie. Aus elektrischem Strom.

Dieser Funke und diese Energie wurden Prag aus der Hand von František Křižík zuteil, Erfinder und Industrieller, von Zeitgenossen der „tschechische Edison“ genannt. Křižík wurde 1847 als Sohn eines ärmlichen Schuhmachers im Städtchen Plánice in Südwestböhmen geboren – im selben Jahr wie zwei weitere große Gestalten der Elektrotechnik: Thomas Alva Edison, Erfinder der Glühbirne, in Amerika, und Alexander Graham Bell, Erfinder des Telefons, in Schottland.

Křižík zeigte bereits als Kind ungewöhnliches Geschick und technisches Talent. Obwohl er nicht das Geld für die nötige Gebühr aufbringen konnte, um die Matura – also die Reifeprüfung – abzulegen, gelang es ihm, ein Studium am Prager Polytechnikum zu absolvieren, aus dem die heutige Tschechische Technische Universität Prag (ČVUT) hervorging.

František Křižík auf einem Foto von Jindřich Eckert
František Křižík auf einem Foto von Jindřich Eckert

Die erste große Erfindung, mit der Křižík in aller Welt berühmt wurde, war die zur Vollendung gebrachte Bogenlampe mit elektromagnetischer Regulierung, die er 1880 patentieren ließ. Ein Jahr später erhielt Křižík für diese Erfindung die Goldmedaille auf der Internationalen Ausstellung für Elektrotechnik in Paris. Zur selben Zeit erstrahlte Prag zum ersten Mal dank Křižík im Glanz des elektrischen Lichts. Zwar waren seine Bogenlampen ursprünglich für die feierliche Beleuchtung der Prager Burg anlässlich des Besuchs des österreichischen Kronprinzen Rudolf gedacht gewesen; aus „Sicherheitsgründen“ wurden sie aber schließlich in die in der Neustadt gelegene Hybernská-Straße verbracht. Die Prager konnten damals nicht genug bekommen vom klaren elektrischen Licht mit seiner viel höheren Strahlkraft und Zuverlässigkeit als die bisherige Gasbeleuchtung. Auch den größten Liebhabern des Dämmerlichts war bald klar, dass dem elektrischen Strom die Zukunft der städtischen Beleuchtung gehörte.

Glühlampen benötigen freilich eine Quelle elektrischen Stroms, so dass Křižík bald darauf die ersten städtischen Elektrizitätswerke Prags in Žižkov und Karlín mit den notwendigen Maschinen ausstattete.

Seine dauerhafteste Prager Spur hinterließ Křižík freilich im Stadtverkehr. Anlässlich der Jubiläums-Landesausstellung von 1891 errichtete er die erste elektrische Straßenbahnlinie in Prag, die von Letná zum Ausstellungsgelände im Königlichen Wildgehege führte. Dies war zugleich die erste elektrische Bahn mit Stromabnehmern in Lyrabügel-Ausführung in der ganzen damaligen österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie. Křižíks Straßenbahn war der Beweis dafür, dass elektrischer Strom das Alltagsleben der Stadtbewohner entscheidend zu ändern vermochte, und machte den Weg hin zur Elektrifizierung des gesamten Prager Stadtverkehrs frei. Bald sollten von Pferdekraft gezogene Wagen im Prager Stadtbild der Vergangenheit angehören.

Für die Jubiläumsausstellung, auf der Prag 1891 als moderne und fortschrittliche Stadt präsentiert wurde, richtete Křižík außerdem ein spezielles Elektrizitätswerk ein, welches an die zweitausend Bogenlampen und Glühbirnen speiste, mit denen Ausstellungsgelände, Hallen und Restaurants für die Besucher beleuchtet wurden. Zum visionären Meisterwerk, welches Technologie und Kunst in sich vereinte, wurde Křižíks Lichtfontäne – ein Brunnen, in dem emporsprudelndes Wasser im Rhythmus der Musik von elektrischem Licht in verschiedensten Farben illuminiert wird. Das buchstäbliche Glanzstück, mit dem die abendlichen Vorführungen der Fontäne ihren glorreichen Abschluss nahmen, war ein heller Lichtkegel, von einem gewaltigen Scheinwerfer kommend, den Křižík auf der Turmspitze des Industriepalasts hatte installieren lassen.

František Křižík war kein bloßer Erfinder. Er war ein Vorreiter, der Prag half, ins elektrische Zeitalter vorzurücken. Er erhellte die Straßen der Stadt und schloss sie an den elektrischen städtischen Verkehr an; so zeigte er, dass der technische Fortschritt eine Stadt moderner, sicherer und komfortabler fürs Alltagsleben machen kann.  Dank Křižík erlangte Prag den Ruf einer Stadt, die keine Scheu vor neuen Technologien hat und sie zum Vorteil ihrer Einwohner zu nutzen versteht.

Konstruktionshalle der Křižík-Werke in Prag-Karlín (um 1920) | Foto: VESELÝ, Jaroslav. Encyclopédie tchécoslovaque: Industrie et commerce. Prag: Orbis, 1923

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