Die Vier Jahreszeiten entstanden für Prag

Teilen

Warum Vivaldis Töne bis heute zwischen den Prager Palästen widerhallen.

Die als Vier Jahreszeiten weltbekannten Violinkonzerte Antonio Vivaldis klingen in Prag am besten. Denn für Prag hat er sie ja auch geschaffen. Sie sind seinem Mäzen, dem Grafen Wenzel (Václav) Morzin, gewidmet, dessen herrlichen Barockpalast Sie bis heute auf der Kleinseite bewundern können, wenn Sie auf die Prager Burg unterwegs sind.

Mit dem Grafen Wenzel Morzin machte der italienische Komponist und Geigenvirtuose Antonio Vivaldi (1678–1741) im Jahre 1718 in Mantua Bekanntschaft.  Ab da wirkte Vivaldi als symbolischer „maestro di cappella“ im gräflichen Ensemble im Prager Palais Morzin; der Graf zahlte Vivaldi hierfür ein regelmäßiges Honorar. 

1725 gab Vivaldi in Amsterdam unter dem Titel Il cimento dell’armonia e dell’inventione (Der Wettstreit von Harmonie und Erfindung) eine Sammlung von 12 Konzerten zum Druck, zu denen auch die Vier Jahreszeiten gehören.  Auf dem Frontispiz widmete der Komponist die gesamte Sammlung dem Grafen Wenzel Morzin.  Von daher ist durchaus denkbar, dass der ikonische Streicherchor, mit dem Vivaldi den Frühling eröffnet und der das Erwachen der Natur, den Gesang der Vögel und das Plätschern von Bächen feiert, auf der Prager Kleinseite zum allerersten Mal zu hören war.  Vivaldis Zyklus der Vier Jahreszeiten steht zudem in harmonischem Einklang mit dem Skulpturenschmuck der Fassade des Palais Morzin, der vom bedeutenden Barockbildhauer Ferdinand Maxmilian Brokoff gestaltet wurde und allegorische Figuren wie die Vier Erdteile oder Tag und Nacht darstellt.

Der Vrtbovský-Garten | Foto: Prague City Tourism

Einige Jahre später begann Antonio Vivaldi damit, für einen weiteren seiner Prager Mäzene zu komponieren: den Grafen Johann Joseph von Wrtby. Für ihn schuf er unter anderem ein Konzert für Laute und Streicher, welches an einem der reizendsten Orte Prags uraufgeführt wurde – dem auf mehreren Ebenen auf den Hängen des Petřín-Hügels angelegten Vrtba-Garten.

Der dritte Prager Graf unter den Mäzenen Vivaldis war Franz Anton Reichsgraf von Sporck, ein leidenschaftlicher Liebhaber der Musik und der Jagd, der das Waldhorn als Musikinstrument nach Böhmen gebracht hatte.  In seinem Prager Palais in der Hybernská-Straße gründete er ein Theater, das sechs von Vivaldis Opern zur Aufführung brachte.  Davon waren zwei speziell für Prag komponiert worden: Argippo und Alvilda, regina de’ Goti, deren Weltpremiere vom Autor selbst dirigiert wurde.  Die Libretti von Vivaldis Prager Opern sind bis heute im Klementinum der Jesuiten, der heutigen Nationalbibliothek der Tschechischen Republik verwahrt. 

Weitere Originalpartituren von Vivaldi sind in der Musikaliensammlung des Ritterordens der Kreuzherren mit dem Roten Stern zu finden, des einzigen Männerordens der Welt, der von einer Frau gegründet wurde.  Das Ordenskloster befindet sich gleich gegenüber dem Klementinum, ein paar Schritte über die Straße, in unmittelbarer Nachbarschaft des Altstädter Brückenturms der Karlsbrücke. 

Vor drei Jahrhunderten erfüllten ganz ungewohnte Töne die engen Gässchen des barocken Prag.  In ihnen erklang die Unruhe des Meeres, der Glanz der Sonne über der Lagune, der nach Meersalz duftende Wind.  Diese Töne hatte ein Mann im Priestergewand mit feuerrotem Haar und scharfen Augen nach Prag gebracht: Antonio Vivaldi.

Prag hat eine ganz eigene Gabe, Musik nicht nur offen aufzunehmen, sondern geradezu zu transformieren. Hier war Vivaldi nicht bloßer Gast – er wurde zur Inspiration für die böhmische Musik, von der er sich wiederum selbst anregen ließ. Prag gedenkt Vivaldis nicht als Ausländer, sondern als Pilger Europas, der hier seine prägende Spur hinterlassen hat. Und in den steinernen Wänden der Prager Palais hallt Vivaldis Musik bis heute wider, als ob der „maestro di cappella“ nie davongegangen wäre. 

erhalten Sie von uns regelmäßig Neuigkeiten und Tipps über das Geschehen in Prag

Die eingegebene E-Mail hat ein falsches Format.

*mit dem Absenden stimmen Sie den Datenschutzbestimmungen zu

Smazat logy Zavřít