Die Jakobswege Všerubská und Železná nehmen in Prag an der Hl.-Jakob-Basilika in der Altstadt ihren Ausgang, einem bedeutenden Denkmal, das mit der spirituellen Geschichte der Stadt verbunden ist. Die Kirche wurde nach einem verheerenden Brand in den Jahren 1390–1474 im gotischen Stil wieder aufgebaut, ihr heutiges Aussehen ist jedoch das Ergebnis barocker Umbauten, die Jan Šimon Pánek nach einem weiteren großen Brand im Jahr 1689 durchführte. Die Umbauten wurden 1739 abgeschlossen. In der Kapelle unter dem unvollendeten Turm befindet sich eine Gedenktafel aus dem Jahr 1615, die an die Heldentaten der Metzger der Altstadt erinnert, die die Kirche in den unruhigen Zeiten der Jahre 1420 und 1611 beschützten. Heute ist die Kirche nicht nur für ihr liturgisches Leben bekannt, sondern auch für ihre regelmäßigen Orgelkonzerte. Die Basilika des Hl. Jakob wird außerdem in mehreren Erzählungen von Jaroslav Foglar erwähnt, einem wichtigen Verfasser tschechischer Jugendbücher des 20. Jhs. und einer zentralen Figur der Pfadfinderbewegung. Die Teynkirche Von der Basilika des Hl. Jakob, diesem bedeutenden spirituellen Knotenpunkt der Jakobswege, gehen wir über den Ungelt in Richtung Altstädter Ring – einem der ikonischsten Orte in ganz Prag. Der Platz ist lebendiger Zeuge der Geschichte der tschechischen Staatlichkeit, Kultur und religiösen Umbrüche. Er wird dominiert von der Teynkirche, dem Altstädter Rathaus mit der astronomischen Uhr und der St.-Nikolaus-Kirche. Jeder Stein des Platzes erzählt seine eigene Geschichte, vom Mittelalter bis zu den tragischen Ereignissen der Hinrichtung von 27 böhmischen Adligen im Jahr 1621. Von hier geht es weiter zum sog. Kleinen Platz – früher ein Marktplatz, heute ein reizvoller Ort voller Renaissance- und Barockhäuser. In der Mitte steht ein Brunnen mit einer Ritterstatue aus dem 16. Jahrhundert, umgeben vom bunten Mosaik historischer Fassaden. Vom Kleinen Platz geht es weiter zur Karlova-Straße, die Teil des historischen Königswegs ist. Diese Straße führt an vielen bedeutenden Gebäuden vorbei – zum Beispiel am Klementinum, einem weitläufigen Jesuitenkomplex, in dem sich die berühmte Barockbibliothek, der astronomische Turm und historische Bildungsstätten befinden. Von der Karlova-Straße biegt die Route leicht in die Husova-Straße ab, die den Namen des bedeutenden Predigers und Reformators Jan Hus trägt. Auch dieser Teil des Wegs ist von alten Häusern gesäumt und verbirgt eine Reihe von Galerien und allerlei stille Winkel, in denen die Zeit still zu stehen scheint. Das Emmauskloster Von hier aus geht es weiter zur Straße Na Perštýně, die den Übergang zwischen Altstadt und Neustadt markiert. Diese historische Straße führt bis zur Spálená-Straße, heute eine belebte Verkehrsader, die jedoch immer noch ihre alte Atmosphäre in sich birgt. Genau hier entlang zogen in der Vergangenheit Pilger, die zur Neustadt und weiter gen Süden zum Emmauskloster und zum frühmittelalterlichen Burgwall der Vyšehrad (Prager Hochburg) unterwegs waren. Hinter der Spálená-Straße gehen wir auf den majestätischen Karlsplatz hinaus, einen der größten mittelalterlichen Plätze Europas. Er wurde 1348 von Karl IV. gegründet und sollte das Zentrum der Neustadt werden. Heute befinden sich hier die St.-Ignatius-Kirche, das Rathaus der Neustadt, aber auch ruhige Parkanlagen, die Raum für Erholung und Besinnung inmitten der Metropole schaffen, die aber auch an die blutigen Ereignisse während des zweiten Prager Fenstersturzes im Jahr 1483 erinnern. Weiter geht es in Richtung des Emmaus-Klosterkomplexes, der 1347 von Karl IV. für slawische Benediktiner gegründet wurde. Das Kloster war nicht nur in seiner geistlichen Mission außergewöhnlich, sondern auch dank seiner kulturellen Aktivitäten – hier entstand die alt-slawische liturgische Literatur. Das Emmaus-Kloster ist an seinen markanten modernistischen Türmen zu erkennen, die die ursprünglichen Türme ersetzten, welche bei Bombenangriffen im Jahre 1945 zerstört wurden. Vom Emmaus geht der Weg nach Süden, folgt dem Lauf der Moldau, passiert die (vom Weg aus sichtbare) Vyšehrad, die berühmte alte Residenz der böhmischen Fürsten und führt weiter durch die Stadtteile Braník und Modřany. Hier öffnet sich Prag allmählich zu einer ruhigeren Naturlandschaft, und entlang des Flusses gelangen wir nach Zbraslav, einer bedeutenden historischen Stadt, in der sich das Kloster Zbraslav befindet, welches 1292 von Wenzel II. gegründet wurde. Dieses Kloster war eines der bedeutendsten kulturellen und religiösen Zentren des mittelalterlichen Königreichs Böhmen. In der Klosterkirche waren ursprünglich König Wenzel II., sein Sohn Wenzel III. und auch Elisabeth von Luxemburg-Böhmen bestattet. Zbraslav gilt als Tor zu Mittelböhmen, und von hier aus führt der Jakobsweg bereits aus Prag hinaus, in Richtung Westen und Südwesten bis nach Santiago de Compostela. Das Kloster Zbraslav Eine alternative Durchquerung Prags – über Kleinseite, Burg und Petřín Diese Variante des Prager Abschnitts des Südwestböhmischen Jakobswegs ist für diejenigen Pilger gedacht, die die notwendige Zeit mitbringen und einen der wichtigsten und eindrücklichsten Teile Prags durchqueren möchten. Die Prager Variante des Südwestböhmischen Jakobswegs beginnt an der Hl.-Jakob-Basilika in der Altstadt, die bereits 1232 von König Wenzel I. gegründet wurde. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Kirche nach einem verheerenden Brand Ende des 17. Jahrhunderts dank eines barocken Umbaus, der 1702 abgeschlossen wurde. Ihre Stuckfassade gehört zu den schönsten Barockfassaden der Stadt. Neben der Kirche steht das Gebäude des Minoritenklosters mit erhaltenen gotischen Elementen. Hier fand 1337 die Hochzeitsfeier von König Johann von Luxemburg und Beatrix von Bourbon statt. Gegenüber der Kirche führt der Weg zum Ungelt-Hof – ein Ort, dessen Geschichte bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht, als er als befestigter Marktplatz und später als Zollamt diente. Vor seinem Eingang stand eine ältere Marienkirche mit einem Spital für ausländische Händler, die später durch die monumentale Kirche der Mutter Gottes vor dem Teyn ersetzt wurde, welche kurz vor den Hussitenkriegen fertiggestellt wurde. Die Kirche wurde zum Zentrum des spirituellen Lebens der Reformbewegung und zur Hauptkirche des hussitischen Prags. Die Teynkirche Daraufhin gelangen wir zum Altstädter Ring, einem der historisch bedeutendsten Orte des böhmischen Staates. Neben der astronomischen Uhr am Altstädter Rathaus, die das Wahrzeichen des Platzes ist, finden wir hier viele weitere architektonische Schätze. Über den Kleinen Platz geht es weiter durch die Karlova-Straße bis zur Karlsbrücke – einem einzigartigen mittelalterlichen Bauwerk, das den natürlichen Übergang zur sog. Kleinseite bildet. Nach der Überquerung der Brücke geht es durch die Mostecká-Straße zum Kleinseitner Platz, wo sich die monumentale St. Nikolaus-Barockkirche von Christoph Dientzenhofer erhebt. Vom hier aus führt der Weg die verwinkelte Nerudova-Straße hinauf, die von historischen Palästen gesäumt ist, bis zum Prager Schloss, dem Sitz der böhmischen Herrscher. Hier ließ Karl IV. im 14. Jahrhundert den Dom St. Veit, Wenzel und Adalbert errichten, die nicht nur zur Krönungskirche, sondern auch zum Symbol der böhmischen Staatlichkeit wurde. Quelle: Prague City Tourism Vom Hradschiner Platz führt die Loreto-Straße zum Loreto-Platz mit dem Černínský-Palast, dem heutigen Sitz des Außenministeriums. Gegenüber steht das Prager Loreto mit einem barocken Glockenspiel und einer Kopie des Santa Casa – dem vermeintlichen Haus der Jungfrau Maria. Das Loreto ist ein bedeutender Wallfahrtsort, ähnlich wie das nahe gelegene Kapuzinerkloster, das bis heute Pilgern Unterkunft bietet. Von hier aus führt der Weg zum Strahov-Kloster, das bereits 1140 gegründet wurde. Der weitläufige Komplex des Prämonstratenserklosters ist vor allem für seine Bibliothek bekannt – eine der wertvollsten in Böhmen. Vom Innenhof vor dem Kloster hat man einen wunderschönen Blick über ganz Prag. Strahov-Kloster Von hier aus führt der Weg über den Petřín. Er führt an einem Ausflugsrestaurant vorbei und durch den Seminar-Garten hinunter zur Helichova-Straße. In der Karmelitská-Straße biegen wir links ab zur Kirche Maria vom Siege, wo das berühmte Gnadenbild des Prager Jesuleins verehrt wird, welches 1628 von Polyxena von Lobkowitz gestiftet wurde. Von der Kirche führt der Weg über die Harantova-Straße und den Malteser Platz zur Kampa, wo er den Teufelsbach überquert und entlang der Moldau bis zur Brücke der Legionen führt, über die man zum Gebäude des Nationaltheaters gelangt. Hier verbindet er sich entlang der Moldau auf der Höhe des Emmaus-Klosters wieder mit der Hauptroute des Südwestböhmischen Jakobswegs, vorbei an der historischen Vyšehrad, der mit böhmischen Sagen und königlichen Legenden verbunden ist, und verlässt das Stadtzentrum. Entlang der Moldau geht es weiter bis nach Zbraslav, wo sich die Kirche St. Jakobus der Ältere befindet und wo der Jakobsweg bereits als solcher auf Wanderwegweisern ausgeschildert ist, und zwar mit einer Muschel, dem Symbol aller Pilgerwege, die nach Santiago de Compostela führen. Schloss Zbraslav