Ein demütiger und zugleich tatkräftiger Einsiedler, der Wälder rodete, Felder bestellte – und der Legende nach selbst den Teufel vor den Pflug spannte. Er wurde auch zum Berater von Fürsten und zum Abt des Klosters Sázava, das unter seiner Führung zu einem Zentrum slawischer Gelehrsamkeit in Böhmen aufblühte. Als erster offiziell bestätigter böhmischer Heiliger ging er in die Geschichte ein. Der Überlieferung nach widersetzte er sich sogar seiner verzögerten Heiligsprechung: In Gestalt eines bärtigen Mönchs soll er Papst Innozenz III. im Traum erschienen sein – den Abtsstab drohend erhoben. Geboren wurde er um 970 in einer bäuerlichen Befestigung in Chotouň bei Český Brod, in einer Zeit, als der heilige Adalbert Bischof von Prag war. Prokop wurde Priester des slawischen Ritus und wirkte am Veitsdom. Manche Quellen berichten, er sei verheiratet gewesen und habe einen Sohn namens Jimram gehabt – denn der Zölibat war damals noch nicht verpflichtend. Doch Prokop suchte mehr: äußeren wie inneren Frieden. Er schloss sich den Benediktinern des 993 gegründeten Klosters in Břevnov an, das nach strengen Ordensregeln lebte. Auch dort fand er nicht, wonach er sich sehnte. So verließ er die Gemeinschaft und wählte den Weg radikaler Einsamkeit. Heiliger Prokop | Quelle: www.wikipedia.com Zunächst lebte er in einer Höhle nahe Prag, im Tal, das heute seinen Namen trägt – Prokopské údolí. Die sogenannte Prokop-Höhle verschwand 1890 durch Kalksteinabbau. Über ihr stand einst eine barocke Kirche, zu der noch im 19. Jahrhundert Tausende von Pilgern strömten.1966 wurde sie abgerissen; nichts Materielles erinnert heute mehr an seine Anwesenheit an diesem Ort. Um 1009 zog Prokop weiter an die Sázava. In unberührter Natur fand er endlich Raum für Gebet, Askese und harte Arbeit. Das benediktinische Motto „ora et labora“ – bete und arbeite – wurde zu seiner Lebensregel. Zunächst lebte er auch hier in einer Höhle, die bis heute erhalten ist und im Rahmen von Führungen durch das Kloster Sázava besichtigt werden kann. Der Legende nach vertrieb er an diesem Ort tausend Dämonen. Einer von ihnen soll für ihn den Pflug gezogen haben und die sogenannte „Teufelsfurche“ gepflügt haben – eine fast 21 Kilometer lange Schlucht vom Fluss Sázava bis zu Prokops Geburtsort Chotouň. Nach und nach scharten sich Männer um ihn, die sein Leben teilen wollten. Aus der Einsiedelei wuchs eine Siedlung einfacher Holzhütten. Um 1032 verirrte sich der böhmische Fürst Oldřich bei der Jagd in diese abgelegene Gegend. Er verfolgte einen Hirsch, verlor sein Gefolge – und fand das Tier zahm hinter Prokop stehend. Der Fürst bat um Wasser aus einem nahegelegenen Brunnen. Prokop schöpfte es – und in seinen Händen verwandelte es sich in Wein. Dieses Wunder und Prokops Weisheit beeindruckten Oldřich tief. Er ließ für ihn und seine Gefährten ein Kloster an der Sázava errichten, das 1035 vom Prager Erzbischof geweiht wurde. Unter Abt Prokop erlebte das Kloster eine Blütezeit. Es wurde zu einem geistlichen und kulturellen Zentrum der Region. Von hier verbreiteten sich neue landwirtschaftliche Methoden ebenso wie Baukunst, Bildhauerei und Malerei. Kein Armer, kein Kranker wurde abgewiesen. Die Mönche feierten die Liturgie in slawischer Sprache, sammelten Texte und schufen neue Werke. St.-Prokop-Kirche | Quelle: Prague City Tourism Zwanzig Jahre lang leitete Prokop das Kloster mit fester Hand. Sowohl der Fürst als auch der Prager Bischof suchten seinen Rat.1053 starb er in seinem Kloster und wurde vor dem Hauptaltar der Kirche in Sázava bestattet. Sein Grab wurde sofort zum Wallfahrtsort. Zahlreiche Wunder wurden ihm zugeschrieben: Heilungen, Hilfe in Not, Befreiung von seelischen und geistigen Leiden. Ein Ertrunkener soll im Klosterhof wieder zum Leben erwacht sein, eine blinde Frau im Garten ihr Augenlicht wiedererlangt haben. Heiliger Prokop | Quelle: www.wikipedia.com Prokop ist der erste Tscheche, dessen Heiligsprechung offiziell bestätigt wurde. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts reiste der Abt von Sázava, Blažej, nach Rom, um Prokops Heiligsprechung zu erbitten – zunächst ohne Erfolg. Damals soll sich Prokop persönlich für die Anerkennung seiner eigenen Heiligkeit eingesetzt haben – der Legende nach erschien er Papst Innozenz III. im Traum und drohte ihm mit dem Abtsstab. Auf den Papst soll die Drohung eines längst verstorbenen slawischen Mönchs großen Eindruck gemacht haben, sodass Prokop am 4. Juli 1204 offiziell heiliggesprochen wurde.1588 wurden seine Gebeine aus der während der Hussitenkriege verwüsteten Kirche in Sázava in die Allerheiligenkirche auf der Prager Burg überführt. Kaiser Rudolf II. nahm persönlich an der feierlichen Translation teil. Kurz nach Prokops Tod verbot der Papst die slawische Liturgie; die Mönche wurden aus Sázava vertrieben und durch lateinische Benediktiner aus Břevnov ersetzt. Die von Kyrill und Methodius im 9. Jahrhundert in unsere Länder gebrachte slawische Liturgie drohte in Böhmen zu verschwinden. Erst König Karl IV. griff diesen geistigen Faden wieder auf: 1374 gründete er in der Prager Neustadt das Kloster Emmaus, in dem wieder slawischer Gottesdienst gefeiert wurde. Einige Orte des Emmausklosters sind ebenfalls dem heiligen Prokop geweiht.