In tschechischen Volkssagen gilt Vyšehrad als Sitz der legendären Fürsten Přemysl und Libuše. Tatsächlich wurde der Ort jedoch erst im 10. Jahrhundert als befestigte Hügelburg gegründet. Experten zufolge handelt es sich um einen Ort mit ungewöhnlich starker Energie, um den sich zahlreiche Legenden und Gerüchte ranken. Man sagt, die größte Lebensenergie könne man aufnehmen, indem man die drei Steine der Teufelssäule berührt. Drei aneinandergelehnte Steinzylinder stehen mitten im Vyšehrad, in einer Ecke des Karlach-Parks. Zusammen wiegen sie etwa zweieinhalb Tonnen, die einzelnen Teile sind zwischen 160 und 240 Zentimeter lang. Ursprünglich befanden sich die Steine in der Kirche St. Peter und Paul und wurden erst 1888 in den Park versetzt. Geologische Analysen ergaben, dass es sich um Überreste zweier verschiedener Säulen handelt. Das Gestein stammt nicht aus der Umgebung Prags, sondern aus einem Steinbruch bei Kamenný Přívoz an der Sázava, von wo es vermutlich auf Flößen nach Vyšehrad transportiert wurde. Forscher beschäftigen sich bis heute mit einer rätselhaften Inschrift auf einem der Steine, die bislang nicht entziffert werden konnte: SMMRIEMW. Niemand weiß genau, welchem Zweck die Teufelssäule ursprünglich diente. Manche Theorien sehen in ihr einen Meilenstein einer alten Straße, andere einen mittelalterlichen Pranger der einstigen Stadt Vyšehrad. Wieder andere halten sie für einen vorchristlichen Monolithen, der zwischen dem 5. und 10. Jahrhundert astronomischen Zwecken gedient haben könnte. Eine weitere plausible Erklärung besagt, dass sie Teil einer Säule war, die das Gewölbe der ursprünglichen romanischen Petersbasilika aus dem 11. oder 12. Jahrhundert stützte. Im Jahr 1503 zerbrach die Säule plötzlich und stürzte zusammen mit einem Teil des Gewölbes auf den Kirchenboden. Der Name „Teufelssäule“ geht auf eine charmante Legende aus dem 17. Jahrhundert zurück. Der Überlieferung nach brachte der Teufel die Säule persönlich aus Rom nach Vyšehrad. Er wollte die Seele eines Priesters gewinnen, der sich in ein sündhaftes Kartenspiel verstrickt hatte. Doch der heilige Petrus griff ein und riet dem Priester, dem Teufel eine letzte Aufgabe zu stellen. Da es dem Teufel nicht gelang, die Säule rechtzeitig aus Rom herbeizuschaffen, schleuderte er sie wütend zu Boden, wobei sie in drei Teile zerbrach. Einer anderen Legende zufolge wurde die Säule während der Belagerung von Vyšehrad durch die Hussiten im Jahr 1420 mit einer riesigen hussitischen Schleuder, dem sogenannten Teufel, geschleudert. Man sagt sogar, die Steine verströmten einen Hauch höllischen Schwefels. Esoterikern zufolge ist die Säule von starker, jedoch nicht ausschließlich positiver Energie durchdrungen. Dennoch wird sie bis heute von Menschen aufgesucht, die glauben, hier besondere Energien spüren zu können.