Ursprünglich stand an dieser Stelle ein altes Haus mit einer Statue der Schwarzen Madonna.1911protestierten empörte Prager Bürger gegen den Abriss, doch das Haus wurde dennoch niedergerissen. Bald darauf entstand an seiner Stelle das heutige kubistische Gebäude. Der Kubismus, eine prägende Kunstrichtung der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, war in Böhmen weiter verbreitet als irgendwo sonst auf der Welt. Neben der bildenden Kunst beeinflusste er auch Architektur, Möbel, Glas, Keramik und Porzellan. Das Haus der Schwarzen Madonna ist das älteste kubistische Gebäude Prags. Es wurde nach Entwürfen des Architekten Josef Gočár für den Unternehmer František Herbst errichtet und 1912 als Kaufhaus eröffnet. Die gesamte Inneneinrichtung – von Möbeln bis zu Dekorationsdetails – folgte dem damals modernen kubistischen Stil. Im Untergeschoss befand sich eine Weinbar, im ersten Stock traf sich die Prager Elite im berühmten Grand Café Orient zu Kaffee und Kuchen. Die oberen Stockwerke beherbergten sowie Geschäfte mit Textilien, Konfektionskleidung und Modeartikeln, als auch die Büros und die Wohnung des Verwalters. In den 1990er-Jahren wurde das Gebäude umfassend restauriert und in seinen Originalzustand zurückversetzt. Das Grand Café Orient wurde anhand historischer Fotografien rekonstruiert, die übrigen Räume dienen heute als Dauerausstellung zum tschechischen Kubismus, betreut vom Museum für Angewandte Kunst. Teil der kubistischen Ausstellung im Haus U Černé Matky Boží An der Ecke des Hauses steht eine Kopie der Statue der Schwarzen Madonna aus dem 17. Jahrhundert, die einst das mittelalterliche Originalhaus schmückte. Schwarze Madonnen nehmen unter allen Darstellungen von Maria und Jesus eine besondere Stellung ein. Ihr Ursprung ist uralt und wird häufig im Zusammenhang mit byzantinischen und orientalischen Einflüssen interpretiert. Oft werden Schwarze Madonnen auch als die christianisierte ägyptische Göttin Isis mit dem kleinen Horus betrachtet. Isis galt als Ideal der Frau, die Fruchtbarkeit, Wohlstand und Fülle brachte, die Natur beschützte und für reiche Ernten sorgte. Eine andere Deutung besagt, dass Schwarze Madonnen eine christliche Fortsetzung des alten Kultes der Großen Mutter oder der Mutter Erde darstellen, einer heidnischen Göttin, die vor Jahrtausenden verehrt wurde. Die Haut dieser Schöpferin von Materie, Natur und Menschen war so dunkel wie die Tiefen der Erde. Deshalb befanden sich die meisten Heiligtümer der Erdgöttin unterirdisch, in Schluchten oder Höhlen, wo ewige Dunkelheit herrschte. Dies hatte eine symbolische Bedeutung, denn auf dem Weg zum Götzenbild musste der Pilger seine Angst vor der Dunkelheit und ihren verborgenen Kräften überwinden. Legenden zufolge wurden europäische Statuen Schwarzer Madonnen oft in der Nähe von Quellen oder geologischen Anomalien gefunden. Die berühmteste Schwarze Madonna der Welt steht in der Kathedrale von Chartres, ebenso bekannt sind die Madonna aus dem 11. Jahrhundert in Montserrat, Spanien, und die Schwarze Madonna in Częstochowa, Polen. Am ehesten vergleichbar mit der Prager Madonna am kubistischen Haus ist die Schwarze Madonna in der Loreta auf dem Hradschin. Barocke Statue an der Fassade des Hauses U Černé Matky Boží Schwarze Madonnen wurden besonders von den Tempelrittern verehrt. Offiziell Orden der Armen Ritter Christi und des Tempels Salomos, gehörten sie zu den mächtigsten christlichen Orden des Mittelalters und waren von zahlreichen Geheimnissen umgeben. Unter anderem beschäftigten sie sich mit verborgenen Kräften und Energien. Dass die Schwarze Madonna in der Celetná-Straße nur wenige Schritte von der Templergasse entfernt steht, ist wohl kein Zufall. Die Straße, ursprünglich „In Templo“ genannt, war Sitz des Templerordens; die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1363.Einer Legende zufolge führte ein unterirdischer Gang vom Templerheiligtum oder -tempel direkt zur Týn-Kirche. Auch die alte Legende von der wundertätigen Schwarzen Madonna, die irgendwo unter der Týn-Kirche verborgen sein soll, könnte damit in Zusammenhang stehen. An Orten, die mit einer Schwarzen Madonna markiert sind, sollen geheime unterirdische Gänge verlaufen. Im Fall des Hauses U Černé Matky Boží ist dies tatsächlich so: Alte Gänge führen von hier unter dem Gemeindehaus in der Králodvorská-Straße hindurch zum Senovážné-Platz und auch zur Týn-Kirche. Der Schwarzen Madonna wird nachgesagt, dass sie den Ort bewacht, an dem sich die energetischen Kraftströme kreuzen, die durch das Prager Untergrund verlaufen.